Beckenbodenübungen für Frauen

Beckenbodenübungen für Frauen

Ein starker Beckenboden kann auch oder gerade bei körperlicher Belastung den Urin besser halten. Daher sind regelmässige Trainingseinheiten für die Körpermitte eine gute und wichtige Grundlage für viele Sportarten.

Eine stabile Beckenbodenmuskulatur gibt Ihrer Blase beim Sport den nötigen Halt und kann Symptome einer bestehenden Blasenschwäche lindern. Und das Gute: Schon fünf bis zehn Minuten tägliches Beckenbodentraining wirken sich positiv aus und lassen sich obendrein gut in Ihren Alltag und Ihren Trainingsplan integrieren. Fangen Sie gleich heute noch mit dem Training an – die passenden Übungen zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Warum ist Beckenbodentraining für Frauen wichtig?

Besonders häufig haben Frauen während der Schwangerschaft oder nach der Geburt eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur.1 Der Grund: Während der Schwangerschaft haben der Beckenboden und die umliegenden Muskeln eine tragende Rolle und stützen die Gebärmutter und das Baby. Gleichzeitig bereiten Schwangerschaftshormone den Körper der Schwangeren auf die Geburt vor und sorgen dafür, dass sich die Muskelgruppe im unteren Beckenbereich lockert.2

Diese wird bei der Geburt zudem stark gedehnt und belastet. Deshalb ist ein entsprechendes Training sehr wichtig, bei dem die Muskulatur durch spezielle Atemübungen und gezieltes Anspannen bereits vor der Schwangerschaft trainiert wird.

Die richtige Atmung beim Beckenbodentraining

Ein wichtiger Bestandteil jedes Beckenbodentrainings ist die Atemtechnik. Denn Zwerchfell und Beckenboden sind eng miteinander verbunden. Und durch das Zusammenspiel der beiden kann sich die Beckenbodenmuskulatur überhaupt erst kraftvoll zusammenziehen und wieder entspannen.

Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell nach unten und übt so Druck auf die Bauchorgane aus. Dadurch dehnt sich der Beckenboden aus und senkt sich nach unten. Bei der Ausatmung hebt sich das Zwerchfell an, der Beckenboden zieht sich zusammen und bewegt sich wieder nach oben.

Stichwort Beckenbodenmuskulatur

Die Beckenbodenmuskulatur zählt zu den wichtigsten Muskelgruppen im Körper. Sie befindet sich zwischen dem Schambeinknochen im vorderen Beckenbereich und dem Steissbein und besteht aus drei übereinander gelagerten Muskelschichten.3

Welche Funktion haben die Beckenbodenmuskeln?

  • Stützt die Blase und den Darm
  • Fördert die Blasen- und Darmfunktion
  • Verhindert unbeabsichtigtes Austreten von Urin (Inkontinenz/Blasenschwäche)
  • Unterstützt die Sexualfunktion

Beckenboden spüren

Bevor mit dem Training begonnen wird, sollte man wissen, wo der Beckenboden liegt und wie dieser gezielt angesteuert werden kann.

So geht’s:

  • Einfach vorstellen, wie der Harnfluss beim Toilettengang kurzzeitig unterbrochen wird. Diese Situation nun nachahmen, indem die Beckenbodenmuskulatur fest angespannt wird. 
  • Auf diese Weise lässt sich die Muskulatur wahrnehmen, die in den folgenden Übungen gezielt trainiert wird.
  • Wichtig: Diese Technik sollte nicht beim tatsächlichen Wasserlassen angewendet werden, da eine unvollständige Entleerung der Blase das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen kann.

Darauf sollten Frauen beim Beckenbodentraining achten

Mithilfe von gezielten Übungen können bestehende Inkontinenzsymptome gelindert werden. Daher empfiehlt sich regelmässiges Beckenbodentraining. Um die Motivation hierfür immer möglichst hochzuhalten, sollte das Trainingsprogramm so angenehm wie möglich gestaltet werden: Wählen Sie gerade am Anfang eine Zeit und einen Ort der Ruhe, sodass Sie sich voll und ganz auf die korrekte Ausführung der Übungen konzentrieren können.

  • Lockere Trainingsbekleidung wählen.
  • Mindestens eine Stunde vor dem Training keine Nahrung mehr zu sich nehmen.
  • Vor dem Training die Blase leeren.
  • Die Übungen wie in der Anleitung beschrieben ausführen und jede Übung drei- bis fünfmal wiederholen.
  • Jede Übung besteht aus einer Startposition und einer aktiven Position.
  • Die aktive Position entsprechend der Kondition 3 - 10 Sekunden lang halten. Nach etwas Übung kann versucht werden, die Position länger zu halten. Am Ende jeder Wiederholung doppelt so lang entspannen, wie die aktive Position beim Beckenbodentraining gehalten wurde.
  • Bei der Ausführung der Übungen immer auf den Körper achten und darauf, möglichst effizient zu trainieren. Die Übungen sollten sich niemals schmerzhaft anfühlen.
  • Um schnelle Trainingserfolge zu erzielen, sollte regelmässig trainiert werden.

Wichtig: Beckenbodenübungen sind kein Ersatz für regelmässige Untersuchungen bei der Gynäkologin/dem Gynäkologen oder der Urologin/dem Urologen.

7 Beckenbodenübungen für die Frau

Atmung

Übung 1: Atmung

So geht’s:

Aufrecht auf einem Hocker sitzen.

  • Das Gewicht bewusst auf den Bereich der Vagina verlagern.
  • Langsam ausatmen und dabei die Beckenbodenmuskulatur kräftig anspannen.

Mitzählen – wer bis 10 kommt, macht alles richtig!

Beckenbodenübung Frau

Übung im Sitzen

Übung 2: Übung im Sitzen

So geht’s:

In lockerer Haltung sitzen.

  • Den Rücken rund machen und das Becken nach vorn drücken.
  • Langsam ausatmen und dabei die Beckenbodenmuskulatur anspannen.
  • Die Spannung so lange wie möglich halten – idealerweise bis 10 zählen.
  • Beim Einatmen die Spannung wieder lösen.
Beckenbodenübung Frau

Übung im Stand

Übung 3: Übung im Stand

So geht’s:

Aufrecht hinstellen, die Beine hüftbreit auseinander. Die Füße haben festen Kontakt zum Boden.

  • Die Knie bleiben locker, das Becken ist leicht gekippt, der Oberkörper stabil.
  • Beim Ausatmen den Beckenboden und den Bauch bewusst anspannen – der Unterbauch wird kürzer, der Beckenboden zieht sich zusammen.
  • Diese Spannung im Beckenboden halten und dabei auf der Stelle gehen. Das Training wird intensiver, wenn beim Gehen der Beckenboden gezielt zusammengezogen wird.
Beckenbodenübung Frau

Brücke

Übung 4: Brücke

So geht’s:

In Rückenlage positionieren und die Füsse hüftbreit aufstellen.

  • Das Gesäss fest anspannen und langsam vom Boden abheben. Dabei ruhig ausatmen, sodass sich das Zwerchfell hebt.
  • Diese Bewegung aktiviert zusammen mit Bauch- und Rückenmuskulatur auch die Beckenbodenmuskulatur – der Beckenboden zieht sich zusammen.
  • Beim Einatmen das Gesäss wieder absenken und die Spannung im Beckenboden lösen.
Beckenbodenübung frau

Einbeinige Brücke

Übung 5: Einbeinige Brücke

So geht's:

Ausgangsposition wie bei Übung 4 – dabei die Spannung in der Beckenbodenmuskulatur halten und gleichmäßig atmen.

  • Nun abwechselnd einen Fuß nach dem anderen vom Boden abheben.
  • Wichtig ist, dabei auf eine waagerechte Position des Beckens zu achten.
Beckenbodenübung Frau

Seitenlage

Übung 6: Seitenlage

So geht's:

In Seitenlage drehen, die Füsse liegen aufeinander, die Beine sind leicht gebeugt.

  • Der untere Arm liegt unter dem Kopf, die obere Hand stützt vor dem Brustbein. Das Becken ist leicht nach vorn gekippt.
  • Beim Ausatmen die Fersen fest zusammendrücken und das obere Knie anheben – der Beckenboden zieht sich zusammen. Dabei den Rücken lang machen, das Brustbein heben und den Nacken strecken.
  • Mit dem Einatmen die Knie wieder schließen.
Beckenbodenübung Frau

Katzenbuckel

Übung 7: Katzenbuckel

So geht's:

In den Vierfüsslerstand gehen: Hände und Knie stützen den Körper. Die Knie befinden sich unter der Hüfte, die Fussrücken liegen auf der Matte. Die Hände sind unter den Schultern platziert, die Ellbogen leicht gebeugt. Der Kopf bleibt in Verlängerung der Wirbelsäule.

  • Beim Einatmen ein leichtes Hohlkreuz bilden – der Beckenboden bleibt entspannt.
  • Beim Ausatmen den Rücken zu einem Katzenbuckel wölben – dabei wird der Beckenboden aktiv angespannt.
Beckenbodenübung Frau

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Quellen:

1 https://urologie-mcbb.de/wp-content/uploads/2020/03/DKG_H-uS_07-19.pdf (Abruf: 03/2021)

2, 3 https://www.hausarzt-hemmoor.de/wp-content/uploads/2016/03/Beckenbodentraining.pdf (Abruf 03/2021)

4 https://www.healthline.com/human-body-maps/pelvis-muscles#1 (Abruf 03/2021)

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